Nagoya Institute of Technology

Webcode 10019 (12/2013)

Lamborghini entwickelt in Nagoya Kunststoff der nächsten Generation

Das Nagoya Institute of Technology (NITech) und der italienische Luxusautohersteller Lamborghini wollen gemeinsam den leichten und widerstandsfähigen kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffes CFK weiter entwickeln.
Das zu diesem Zweck am 12. November am NITech eröffnete Forschungsinstitut soll den Kunststoff leichter machen und für die Massenproduktion entwickeln. CFK ist viermal leichter als Eisen doch um das Zehnfache stabiler. Das Material kommt in neuen Passagierflugzeugen und Personenwagen vor. Da es aber noch sehr teuer
ist, beschränkt sich sein Einsatz derzeit auf Wagen der höheren Preisklassen.
Lamborghini ist am technischen Know-How des NITech interessiert, die Forscher können CFK auf weniger als 0,1 Millimeter Höhe verarbeiten. Als Entwicklungsstandort ist Nagoya mit seinen vielen Automobilzulieferbetrieben besonders interessant.
Das NITech ist seit Juni mit einem europäischen Verbindungsbüro an der Universität Erlangen-Nürnberg vertreten. [Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 11-12/2013, Seite 16]

NITech Europe Liaison Office in Deutschland

Im Juli eröffnete das Nagoya Institute of Technology (NITech) das NITech Europe Liaison Office an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Für das NITech ist es das dritte Auslandsbüro neben Niederlassungen in Beijing (2011) und Malaysia (2013).

Das NITech Europe Liaison Office dient als Ausgangsbasis für Aktivitäten in Europa. Die Hauptaufgaben des Büros sind:

  1. Ausbau der internationalen Forschungszusammenarbeit und der internationalen Kooperation mit der Industrie
  2. Unterstützung bei der Durchführung von internationalen Symposien und Seminaren
  3. Öffentlichkeitsarbeit für das NITech durch Verbreitung von Informationen über die verschiedenen Aktivitäten

Bei der Eröffnungsfeier des NITech Europe Liaison Office am 15. Juli 2013 in der FAU unterzeichneten Dr. Minoru Takahashi, Präsident des NITech, und Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Präsident der FAU, eine Vereinbarung über die Einrichtung des Verbindungsbüros. Akira Mizutani, Generalkonsul des japanischen Generalkonsulats in München, und Sophia Kerscher von Boshoku Automotive Europe sowie zahlreiche Gäste aus beiden Hochschulen in Nagoya und Erlangen gratulierten zur Büroeröffnung. Als erster Direktor des NITech Europe Liaison Office wird Prof. Dr.
Ken-ichi Kakimoto das Büro führen. Ihn verbindet eine längjährige Forschungskooperation mit Prof. Dr. Peter Greil vom Department Werkstoffwissenschaften an der FAU.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 10/2013, Seite 5]

Weitere Informationen:

Nagoya Institute of Technology (NITech)

Das Nagoya Institute of Technology (NITech) ist eine staatliche technische Universität in einer der größten Industrieregionen Japans. 1905 gegründet ist es die viertälteste Hochschule im Land. Sie gilt als erste Adresse für japanische Hersteller in Sachen Hochleistungskeramik, Roboterentwicklung und interaktive Spracherkennungssysteme.

Foto 2: Gemeinsames Seminar von NITech und FAU, 25.11.2011; Foto: NITech

NITech Kenndaten: (Stand Mai 2011)
7 Departments, 7 Fächer, 13 Zentren
6960 Studenten, davon:
   4362 Studenten vor dem Abschluss
   1355 Master-Studenten
   243 Doktoranden
   357 ausländische Studenten
610 Mitarbeiter, davon:
   354 wissenschaftliches Personal
62 Partnerorganisationen im Ausland
Einnahmen 2010: ca. 11,5 Mrd. Yen

„Education – Innovation – Contribution“, so lautet das Prinzip, eigenverantwortliches Lernen steht im Mittelpunkt der Ausbildung am NITech. Die Zeitschrift Nature beschreibt die Universität als „Schatzkammer
für Technologie“. Industriekooperationen mit weltweit tätigen Großunternehmen wie etwa Toyota, haben Forschung und Lehre am NITech maßgeblich geprägt.
Als weiteres Ziel gilt es, dem Nachwuchs die speziellen Fähigkeiten zu vermitteln, neue Industriebetriebe zu gestalten und aufzubauen. 70 Prozent der NITech-Studenten wechseln nach dem vierjährigen Bachelor-Studium zum zweijährigen Master-Programm. In diesen sechs Jahren erwerben sie nicht nur ein hohes Maß an technologischem Wissen, sondern gleichzeitig auch praktische Fähigkeiten.

Außerdem nimmt das ICRE an drei Programmen der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) teil: „International Training Program“, „International Program for Young Researcher Overseas Visits“ und „Young Researcher Overseas Program for Vitalizing Brain Circulation“.
Wissenschaftler des NITech und der FAU organisieren jährlich das „German-Japanese Seminar on Advanced Ceramic Materials“. (Foto 2) Seit 2009 gingen 21 Studenten und 25 Wissenschaftler des NITech an die FAU. Diese Zahlen belegen, dass die Universität Erlangen-Nürnberg in kurzer Zeit ein wichtiger Partner geworden ist.

NITech Hauptgebäude; Foto: NITech

NITech international

Das NITech setzt zunehmend auf Partnerschaften mit erstklassigen Einrichtungen im In- und Ausland und entwickelt sich zu einem Zentrum für internationale Forschung und Lehre in den Ingenieurwissenschaften.
Die Zusammenarbeit mit der Friedrich Alexander Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ist ein deutsches Beispiel für die internationale Kooperation.
Im Oktober 2009 vereinbarten NITech und FAU die Zusammenarbeit ihrer Fakultäten in den Materialwissenschaften. Doch schon kurze Zeit später, im März 2011, wurde die Vereinbarung auf Universitätsebene ausgedehnt und umfasst nun die Ausbildung von Experten mit profunden Fachkenntnissen und internationaler Erfahrung sowie innovative Forschung in den Materialwissenschaften.
Um sich in der Region als Experte für Hochleistungskeramik zu etablieren, hat das NITech 2007 das Institute of Ceramics Research and Education (ICRE) gegründet. Das ICRE ist international vernetzt. Zu seinen weltweit 14 Partnerhochschulen zählen in Europa neben der FAU auch das Imperial College London und die Université de Limoges. Gemeinsam veranstalten diese vier Partner alle zwei Jahre den „International Workshop on Advanced Ceramics“.

NITech und Erlangen-Nürnberg

Umweltfreundlich, energieeffizient und medizinisch anwendbar - diese Attribute kennzeichnen die Projekte, an denen Forscher des NITech und der FAU gemeinsam arbeiten. Immer geht es dabei um Spitzentechnologie und die Entwicklung von Materialien: elektronische, optische, biologische oder hybride Werkstoffe, Strukturmaterialien oder energiewandelnde Stoffe. Im Mittelpunkt der Kooperation stehen keramische Werkstoffe.
Durch eine Fülle von chemischen Elementen können keramische Stoffe in ihrer Leistung und Funktion in fast beliebiger Vielfalt aufgerüstet werden. Dadurch ergeben sich viele neue Anwendungsmöglichkeiten, zum Beispiel in den Bereichen Energie, Umwelt oder Biowissenschaften. Japans ausgefeilte Herstellungstechnologien und Deutschlands Stärke in den Umwelttechnologien bilden somit eine ideale Basis für die Zusammenarbeit des NITech und der FAU. Wie diese Kooperation zu neuen Technologien führt beschreiben nachfolgende Beispiele.

links Foto 3: Poröse Struktur von Piezokeramik mit hoher Sensorempfindlichkeit; beide Fotos: NITech
rechts Foto 4: Osteoblast-ähnliche Zellen kultiviert auf einem Glasmaterial mit genaktvierender Funktion


Die Gruppen von Kenichi Kakimoto, Peter Greil und Andreas Roosen arbeiten an der Entwicklung von umweltfreundlichen und hochleistungsfähigen, elektronischen Keramikstoffen. Bereits drei Graduate Students kamen dafür nach Erlangen-Nürnberg. Gemeinsam haben sie temperaturschockbeständige Isolatoren bestehend aus vielschichtigen Filmen und lichtdurchlässige Spinell-Filme entwickelt. Nun arbeiten sie an porösen Zellstrukturen bei Piezo-Keramik, die u.a. bei bioelektronischen Werkstoffen zum Einsatz kommen sollen. (Foto 3) Ihre Ergebnisse haben sie bei einer Konferenz der „American Ceramics Society“ vorgestellt und veröffentlicht.1) Das Projekt wird von der JSPS und der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Unter Leitung von Christoph J. Brabec und Takeshi Yokota versuchen Forscher ein Material zu entwickeln, das Thermo-Energie wandelt. Elektronische Leitfähigkeit und Dipolmoment bilden dabei die Grundlage für
eine völlig neu konzipierte Tuning-Methode.2)
Doch die im März 2011 vereinbarte Zusammenarbeit zwischen der FAU und dem NITech bezieht sich nicht nur auf die Materialwissenschaften. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin von Aldo R. Boccaccini hat mit Unterstützung der JSPS neun Monate in der Gruppe von Toshiro Kasuga am NITech gearbeitet. Gemeinsam haben sie ein zahnmedizinisches Material mit antibakterieller Wirkung entwickelt. Seine Farbe ist ähnlich wie natürliches Zahnweiß und bei der Zahnpflege ist es anspruchslos.3) Außerdem haben die Gruppen von Boccaccini und Kasuga ein Glasmaterial mit genaktivierender Wirkung und eine entsprechende Beschichtungstechnologie entwickelt. Solche Glasstoffe sollen dann im menschlichen Körper im Umfeld von künstlichen Knochen die Bildung von Knochen beschleunigen. (Foto 4) Darüber hinaus forschen das ICRE in Nagoya und die medizinische Fakultät der FAU gemeinsam an der Entwicklung neuer Materialien.

Die Präsidenten des NITech und der FAU vereinbaren den Austausch (25.11.2011); Foto: NITech

Bei einem Treffen in Erlangen im November 2011 haben die Präsidenten der FAU und des NITech die regionale Stärke ihrer Universitäten betont, die in der aktiven Zusammenarbeit mit der Industrie liegt. Gleichzeitig haben sie jedoch auch die Wichtigkeit internationaler Kooperationen hervorgehoben.

Publikationen:

1) I. Götschel, Y. Hayashi, K. Kakimoto and A. Roosen, “Tape casting of Al2O3, MgO, and MgAl2O4 for the manufacture of multilayer composites for refractory applications”, International Journal of Applied Ceramic Technology, 9, (2012), DOI:10.1111/j.1744-7402.2011.02664.x.
2) T. Yokota, M. Gomi, C.J. Brabec, et al., “Preparation of magnetic oxide ceramics for oxygen sensors”, 4th International Workshop on Advanced Ceramics, Nagoya, Dec 2010, #B209.
3) X. Chatzistavrou, A.R. Boccaccini, T. Kasuga, et al., “Ag-doped sol-gel derived novel composite materials for dental applications”, Bioceramics, 23, 637 (2012).

[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 04/2011, Seite 10]

Weitere Informationen:

Website des Nagoya Institute of Technology: www.nitech.ac.jp/eng/

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