Aus Japans Wissenschafts- und Forschungspolitik

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Japans Position im asiatisch-pazifischen Forschungsraum - Zentrum für Kooperation und Vernetzung

Eine Zusammenfassung von Sabine Ganter-Richter

Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung 2016 eine bibliometrische Analyse des asiatisch-pazifischen Forschungsraums herausgegeben. Die Studie dokumentiert und bewertet die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die Kooperationsbeziehungen ausgewählter Länder aus dem asiatisch-pazifischen Raum. Sie geht auch der Frage nach, ob sich ähnlich dem europäischen Forschungsraum ein regionaler Asia-Pacific Research Area (APRA) entwickelt.
Die Analyse erstreckt sich über den Zeitraum 2000 bis 2014 und umfasst die Länder Australien, China, Japan, Indien, Indonesien, Malaysia, Neuseeland, die Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Südkorea, Taiwan, Thailand und Vietnam. Zu Vergleichen werden Angaben von Deutschland, Frankreich, Großbritannien sowie EU-28 und USA herangezogen. Die Studie soll politischen Akteuren einen aktuellen Kenntnisstand über die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit und die Kooperationsbeziehungen geben. Die Ergebnisse können als Orientierung bei der Entwicklung eigener Strategien und Maßnahmen dienen.

Publikationsverhalten
Japans über den kompletten Beobachtungszeitraum nahezu konstante Anzahl von gut 80.000 Veröffentlichung pro Jahr bedeutet jedoch aufgrund des Wachstums in allen anderen Ländern eine Halbierung von Japans Anteil auf vier Prozent des weltweiten Publikationsaufkommens. Japan liegt damit gleichauf mit Deutschland, das ebenfalls Anteile eingebüßt hat. Die Anzahl der Veröffentlichungen pro Kopf (Bevölkerung) kann als einfaches Maß für die wissenschaftliche Produktivität herangezogen werden. Als produktivstes Land erscheint Australien bei diesem Indikator. Japan liegt mit etwa 600 Veröffentlichungen je einer Million Einwohner zwar deutlich über dem Weltdurchschnitt, weist jedoch einen auffallenden Abstand zu dem von der USA angeführten Mittelfeld auf, zu dem auch Deutschland
zählt.
Konferenzbeiträge sind ergänzend zu Zeitschriften für die Kommunikation von Ergebnissen insbesondere in den angewandten Wissenschaften zu betrachten. Deutschland konnte seine Zahl an Konferenzbeiträgen zur Mitte des vergangenen
Jahrzehnts deutlich erhöhen und erreicht nahezu ein ähnliches Niveau wie das deutlich größere Japan (ca. 27.000). Bei den weltweiten Anteilen liegt Japan mit 5,5 Prozent im APRA mit großem Abstand zu China (ca. 23 Prozent) jedoch vor Indien (3,6 Prozent), das seit 2009 stark zulegt.
Zitierungen stellen die bedeutendste Grundlage dar, um wissenschaftlichen Output hinsichtlich Qualität und Sichtbarkeit von Zeitschriftenbeiträgen zu bewerten. Da die Zitiergewohnheiten in den einzelnen Disziplinen jedoch sehr unterschiedlich sind, verwendet die Analyse die „feldspezifische Zitatrate“ und die „(feldspezifische) Exzellenzrate“. Beide Maßzahlen berücksichtigen diese Unterschiede. Nachdem Japans feldspezifische Zitatrate in den drei Vorjahren etwas angestiegen ist, erreicht sie 2012 einen Wert, der leicht oberhalb des weltweiten Durchschnitts liegt. Japans Exzellenzrate bewegt sich seit 2008 leicht unterhalb des Erwartungswertes von zehn Prozent und zeigt bis 2012 eine leicht sinkende Entwicklung.

Wissenschaftliches Profil
Das Publikationsverhalten in den einzelnen Disziplinen ist sehr unterschiedlich, weshalb die Profile der Länder unter anderem auch erklären können, woher die Unterschiede in den Gesamtzahlen stammen. Hier ist es wichtig, die thematischen Schwerpunkte innerhalb der Länder zu betrachten und zu vergleichen. Für Japan lässt sich ein sehr hoher Anteil an den Naturwissenschaften feststellen, der mit etwa 80 Prozent nur wenig größer ist, als der Deutschlands, Indiens oder Koreas. Hingegen hat Japan einen deutlich geringen Anteil bei den Ingenieurwissenschaften und den sonstigen Wissenschaften. Die Naturwissenschaften haben deshalb so hohes Gewicht, weil die Medizin als größtes einziges Feld hier sehr deutlich zu Buche schlägt. Japan und Deutschland liegen 2012 bis 2014 mit Werten oberhalb von 35 Prozent nahe beieinander.

Kooperationen und Vernetzung
Mithilfe einer Clusteranalyse vergleicht die Studie Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten der wissenschaftlichen Länderprofile. Im Zeitraum 2002 bis 2014 entwickelt sich Japan weg vom europäisch-amerikanischen Cluster. Es bildet mit Indien, Korea, Singapur und Taiwan ein eigenständiges Cluster, das sich im Wesentlichen durch Ähnlichkeiten in der Materialforschung und Teilen der Chemie definiert, aber mehr noch durch die Unähnlichkeit zum europäisch-amerikanischen Cluster in der Medizin und den Geistes- und Sozialwissenschaften.
Ko-Publikationen werden als Maß für die Kooperationsneigung und die Vernetzung interpretiert. Zugleich spiegeln sie auch die Attraktivität für wissenschaftliche Partner wider. Japan hat bis 2014 die Anzahl der Publikationen mit Ko-Autoren aus mindesteins einem weiteren Land im Vergleich zu 2002 lediglich verdoppelt und ist damit das Land mit der niedrigsten Steigerungsrate. Jedoch ist in Japan der Anteil der internationalen Ko-Publikationen an allen Publikationen konstant angestiegen und liegt 2014 bei etwa 27 Prozent und gleichauf mit Korea und Taiwan. In Deutschland und Australien liegt der Anteil bei 50 Prozent, Singapur erreicht einen Wert von über 60 Prozent.
Der Anteil von Japans Ko-Publikationen mit Autoren aus mindestens einem anderen asiatischen Land liegt mit über 40 Prozent vergleichsweise hoch und wird nur von Taiwan und Singapur übertroffen. Bei Japans Publikationen mit nicht-asiatischen Ko-Autoren spielt Deutschland hingegen eine weniger bedeutende Rolle. Jedoch steht Japan bei den Ko-Publikationen Deutschlands nach China und Australien an dritter Stelle der asiatisch-pazifischen Länder. 2014 weist Deutschlands Ko-Publikationsintensität mit Japan im Bereich Messen, Regeln sowie in der Nukleartechnik die höchsten Werte auf.

Regionaler Forschungsraum
Der Bericht führt zuletzt eine Soziale Netzwerkanalyse durch, mit der sich komplexe Beziehungsmuster zwischen den einzelnen Akteuren eines Raumes nachvollziehen lassen. Sie ermöglichen differenzierte Aussagen über die Stärke von Kooperationsbeziehungen. Diese Art der Analyse zeigt, dass die Entwicklung des APRA als regionaler Forschungsraum weiter voran schreitet - vor allem die südostasiatischen Länder, aber auch Japan, Australien und Taiwan vernetzen sich stark innerhalb des APRA. China und Malaysia suchen sich hingegen vermehrt Partner außerhalb Asiens. Australien ist besonders intensiv mit vielen verschiedenen Partnern vernetzt und damit ein wichtiger Knotenpunkt innerhalb des APRA. Zentrale Akteure sind außerdem China, Japan und Korea. Singapur und Taiwan gewinnen in vielen Disziplinen an Bedeutung.
Betrachtet man die Kooperation Deutschlands mit den APRA-Ländern, zeigt sich eine leichte Zunahme der Ko-Publikationen, insgesamt ist der APRA jedoch nach wie vor stark in Richtung der USA orientiert. Innerhalb der Europäischen Union ist Großbritannien der stärkste Partner, allerdings verzeichnen Deutschland und Frankreich leicht zunehmende Anteile. In der Mehrzahl der Fachgebiete ist Deutschland unter den fünf wichtigsten Kooperationspartnern der APRA-Länder. [Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 21/2016, Seite 10 und 11]
Weitere Informationen:
Die vollständige Analyse zum Download bei:
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
www.isi.fraunhofer.de

5th Science and Technology Basic Plan - Japans Wissenschaftspolitik 2016 - 2020

Innovationen für eine "Super Smart Society"
Eine Zusammenfassung von Sabine Ganter-Richter.

Der Council for Science, Technology and Innovation (CSTI) hat im Dezember 2015 den „5th Science and Technology Basic Plan“ vorgelegt. In diesem Plan beschreibt die japanische Regierung Maßnahmen für den Ausbau von Wissenschaft, Technologie und Innovation. Das Strategiepapier hat eine Laufzeit von fünf Jahren ab dem Fiskaljahr 2016 und bietet einen Ausblick für die kommenden zehn Jahre. Die Umsetzung erfordert die Zusammenarbeit von Regierung, akademischer Welt, Industrie und Bürgern und soll Japan zu dem innovationsfreundlichsten Land der Welt werden lassen. Insgesamt sieben Kapitel beschreiben diesen Prozess.

Grundkonzept

Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnologie haben in eine Zeit drastischer Veränderungen geführt, in der sich soziale und wirtschaftliche Strukturen täglich ändern: es tauchen Märkte und Geschäftsformen auf, die nicht in bestehende Bedingungen passen; Werte diversifizieren sich, wandeln sich von materiellen zu immateriellen; Wissen- und Wertschöpfungsprozesse verändern sich. Hinzu kommen zunehmende und komplexer werdende Herausforderung im eigenen Land und auch weltweit. Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) müssen vor diesem Hintergrund verfolgt werden.
In den vergangenen zwanzig Jahren (Laufzeit der ersten vier S&T Basic Plans) haben sich in Japan die Bedingungen für Forschung und Entwicklung kontinuierlich
entfaltet. Neue Technologien haben das Leben der Menschen und die Wirtschaft verändert. In den letzten Jahren jedoch haben Japans Stärken nachgelassen. Das zeigte sich unter anderem in der zurückgehenden Anzahl von wissenschaftlichen Publikationen, Verzögerungen beim Aufbau internationaler Forschungsnetzwerke, nicht ausgeschöpften Partnerschaften zwischen Industrie und akademischen Kreisen. Dies wiederum führte zu Verzögerungen bei Universitätsreformen sowie zu dem Bestehen von Barrieren zwischen Organisationen.
Der Grundlagenplan formuliert deshalb für Japan ein Profil mit folgenden Stichworten: nachhaltiges Wachstum, selbst-erhaltende regionale Entwicklung, Sicherheit und ein Leben in Wohlstand, Beitrag zur globalen Entwicklung, nachhaltige Schaffung von geistigem Eigentum.
Als grundlegende Prinzipien nennt der Plan die Fähigkeit für „Weitblick und Strategie“ sowie für „Diversität und Flexibilität“. Um die vier Stützen des 5. S&T Basic Plan umzusetzen, erachtet das Konzept die Einbeziehung der Diplomatie im Bereich von Wissenschaft und Technologie sowie eine strategische internationale Implementierung als wesentlich.
Die vier Pfeiler beinhalten Folgendes:

1. Neue Werte schaffen für die Entwicklung zukünftiger Technologien und gesellschaftlichen Wandel
Um Japan in die Lage zu versetzen, große Veränderungen anzustoßen und weltweit führend zu bleiben in dieser „Zeit drastischen Wandels“, sollen Forschung und Entwicklung so verstärkt werden, dass sie ununterbrochen Innovationen generieren; verstärkte Anstrengungen sollen Mechanismen für die Verwirklichung der weltweit ersten „Super Smart Society“ entwickeln, die in rascher Folge neue Werte und Dienstleistungsangebote hervorbringen wird.
2. Wirtschaftliche und soziale Herausforderungen angehen
Japan will wichtige politische Themen identifizieren und mithilfe von Wissenschaft, Technologie und Innovationen nach Lösungsansätzen suchen. Auf diese Weise will sich das Land mit aufkommenden nationalen und globalen Herausforderungen präventiv befassen.
3. Fundamente von STI stärken
Der Plan sieht vor, die grundlegenden Stärken umfassend zu konsolidieren, um flexibel und angemessen auf die in den kommenden Jahren anstehenden, verschiedenen Veränderungen zu reagieren; gleichzeitig soll sich Japan um die Ausbildung junger Menschen kümmern und ihre Karriereaussichten in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Innovation verbessern. Dazu gehören Reformen und Ausdehnung für die Funktionen der Universitäten.
4. Systemischer Kreislauf von Menschen, Wissen und Kapital für Innovationen
Ein neu aufzubauendes System soll ermöglichen, dass Personal, Wissen und Kapital über alle Grenzen hinweg rotiert, sodass neue Werte geschaffen und schnell zum Einsatz in der Gesellschaft kommen – daraus entstehen Innovationen. Um einen solchen Kreislauf zu erhalten, soll die umfassende Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Universitäten und öffentlichen Forschungseinrichtungen gefördert, zu Unternehmertum und zur Gründung von Start-up-Firmen ermutigt werden.

Werbung für den Grundplan
Neben diesen vier Pfeilern ist es wichtig, den Grundlagenplan zu bewerben. Dies soll einerseits durch den Aufbau einer intensiveren Beziehung zwischen STI und der Gesellschaft erreicht werden: Kommunikation und Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren, wissenschaftliche Empfehlungen für die Politik sowie das Aufgreifen von ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Themen stehen dabei im Zentrum. Andererseits sollen die Möglichkeiten ausgebaut werden, Wissenschaft, Technologie und Innovationen zu fördern. Hier sind in erster Linie Reformen an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen angesprochen. Die Funktion der Universitäten und der nationalen Forschungsinstitute soll drastisch verändert und erweitert werden unter Berücksichtigung, dass diese durch Forschung und Lehre einen gesellschaftlichen Beitrag leisten; sie gelten als Antrieb für Innovation.
Auch die Effektivität der Politik soll gesteigert werden: internationale STI-Aktivitäten und -Diplomatie sollen einheitlich implementiert werden. Des weiteren soll die „Kontrollturm“-Funktion des CSTI ausgebaut werden.
Zielvorgaben werden auch in Zahlen genannt: die von öffentlicher und privater Hand getragenen Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen mindestens vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes betragen und die FuE-Investitionen der Regierung mindestens ein Prozent. Sollte das Bruttoinlandsprodukt über die Laufzeit des „Fifth Science and Technology Basic Plan“ durchschnittlich um 3,3 Prozent wachsen, beliefen sich die gesamten FuE-Investitionen der Regierung auf etwa 26 Billionen Yen (ca. 220 Milliarden Yen).
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 20/2016, Seite 10 und 11]

Wissenschaft, Technologie und Innovationen - Japans STI-Politik 2016

Mit Innovationen in die Zukunft

Eine Zusammenfassung von Sabine Ganter-Richter

„Es ist nicht genug, zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug, zu wollen, man muss auch tun.“ In der Einleitung seines Zwischenberichts beschreibt der Council for Science and Technology mit diesem Goethe-Zitat die Ausrichtung der zukünftigen Wissenschaftspolitik Japans. Der im Januar vorgelegte Bericht bietet mittel- bis langfristige Perspektiven in Vorbereitung auf den fünften „Science and Technology Basic Plan“ (2016 bis 2020). In sechs Kapiteln formuliert er Konzept, Prinzipien und Maßnahmen, um Japans Innovationskraft wieder in Schwung zu bringen.

Aus Sicht des Councils soll Japan zu einer Nation werden, die auf Wissenschaft, Technologie und Innovation (STI) basiert. Das Land soll aufgrund seiner hohen STI-Fähigkeiten zu einer nachhaltigen Entwicklung Japans und der Welt in der Lage sein. Der japanischen Regierung kommen dabei zwei wichtige Funktionen zu:
1) Sie soll die Grundlagen stärken, die zur Herausbildung von Innovationen führen.
2) Sie soll die Bereiche „Gesellschaft“ und „STI“ verknüpfen, unter anderem durch Formulierung einer entsprechenden Innen- und Außenpolitik.
Der Bericht geht in den ersten beiden Kapiteln auf dieses Grundkonzept und die politischen Prinzipien ein.

Basis für die Schaffung von Innovationen stärken

Die Stichworte in dem dritten Kapitel lauten: Personalwesen reformieren, Fundament für Innovationen stärken und nachhaltige offene Innovationen fördern. Insbesondere sollen Karrieremöglichkeiten für die juüngere Generation klar definiert und realisiert werden. Frauen sollen häufiger in Führungspositionen tätig sein, ausländische Studenten und Wissenschaftler sollen besser in die japanischen Strukturen integriert werden.
Als eine wichtige Grundlage für Innovationen soll die akademische und Grundlagenforschung stärkere Förderung erfahren. Allgemeine Technologien, Einrichtungen und Informationsinfrastrukturen, die Forschung und Entwicklung unterstützen, sollen strategisch gestärkt werden.
Um offene Innovationen zu ermöglichen schlägt der Council vor, die Zusammenarbeit von Partnern in Industrie, Hochschulen und Regierung zu verbessern. Das erleichtere den Transfer von Personen, Wissen und Informationen sowie Geld. Ebenso sollen entsprechende Initiativen die Kommerzialisierung und
die Innovationsbemhungen privater Unternehmen unterstützen.

STI für die Gesellschaft

Im vierten Kapitel geht der Council darauf ein, wie die Regierung durch eine auf STI ausgerichtete Politik im In- und Ausland gesellschaftlich relevante Themen angehen kann. Dazu zählt, die Entwicklung einer „Cyber Gesellschaft“ zu einem wichtigen politischen Ziel zu erklären. Oder die Definierung „national kritischer Technologien“ (zum Beispiel hinsichtlich Naturkatastrophen, Hochleistungscomputer, künstliche Intelligenz), um Japans Unabhängigkeit und Autonomie zu sichern. Individuell konzipierte Strategien sollen die STI-Kooperation mit verschiedenen Ländern voranbringen. Ebenso sollen Innovationszentren im In- und Ausland die internationale Zusammenarbeit unterstützen. Der Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten sowie mit ethischen, legalen und sozialen Aspekten hinsichtlich STI-Aktivitäten soll das Vertrauen der Gesellschaft in Wissenschaft und Technologie wieder herstellen.

Fähigkeiten optimieren

Der Council sieht eine stärkere Funktion der Hochschulen vor. So sollen nationale Universitäten uüberdenken, wie wichtig Förderziele sind, die eine Maximierung der Fähigkeiten ihrer Universität berücksichtigen. Die Hochschulen sollen voraussichtlich sogenannte „Excellent Graduate Schools“ aufbauen, die Lehre und Forschung auf Weltniveau betreiben.
Der seit Beginn des Fiskaljahres 2015 eingerichtete National Research and Development Agency soll die wichtige Aufgabe eines „Innovation Hub“ zukommen.
Als treibende Kraft soll sie neue Innovationssysteme auf den Weg bringen, Evaluierungssysteme für Wissenschaftler schaffen und auch als Forum dienen, um
Personen, Dinge, Geld und Informationen von privaten und öffentlichen Akteuren zusammenzubringen.
Auch für das Budget sieht der Council Reformen vor. Die Zuteilung der Regierungsgelder erfolgt über zwei Wege: Grundmittel und kompetitiv einzuwerbende Drittmittel. Diese Systematik soll verbessert und mehr Mittel für beide Zweige zur Verfuügung gestellt werden.

Strukturen für die Politik stärken

Im letzten Kapitel geht der Bericht auf Strukturen für die STI-Politik ein. Bei der politischen Planung soll der Council for Science, Technology and Innovation eine führende Rolle einnehmen. Außerdem sollen Strukturen erdacht werden, die die Politik in Fragen zur Wissenschaft beraten können.
Mit Einführung des „Plan-Do-Check-Act“-Zyklus in die politischen STI-Maßnahmen soll die Evaluierung für Forschung und Entwicklung (FuE) kontinuierlich verbessert werden. Außerdem sollen sich die Regierungsausgaben für FuE im fünften „Science and Technology Basic Plan“ auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. Die Gesamtausgaben sollen veröffentlicht werden.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 18/2015, Seite 12 und 13]

Neue Kennzahlen für Wissenschaft und Technologie veröffentlicht

Im August legte das National Institute of Science and Technology Policy (NISTEP) dem im Kabinettsbüro angesiedelten Council for Science, Technology and Innovation (CSTI) neue Indikatoren für Japans Forschungsaktivitäten vor. Manche Angaben vergleichen Japans Leistungen mit denen anderer starker Forschungsländer wie Amerika, China, Deutschland, England, Frankreich und Suüdkorea.

Nachfolgend einige Merkmale von besonderem Interesse:

  • Der Anteil von Japans Bruttoinlandsprodukt für Forschung und Entwicklung lag 2013 bei 3,75 Prozent. Jedoch der von der japanischen Regierung getragene Anteil für FuE ist mit knapp 20 Prozent einer der niedrigsten im Vergleich zu anderen Ländern (Frankreich 35 Prozent, Amerika, England und Deutschland etwa 29 Prozent).
  • Der Anteil von Investitionen aus der japanischen Industrie an den gesamten Aufwendungen für FuE an Universitäten ist einer der niedrigsten.
  • Der Anteil in Vollzeit beschäftigter Wissenschaftler an allen Arbeitskräften ist extrem hoch, nur in Südkorea ist dieser Anteil höher. Doch dieser hohe Anteil stagniert seit etwa zehn Jahren, während der Anteil der meisten europäischen Länder jährlich steigt und sich dem japanischen Niveau nähert.
  • 2003 schrieben sich 180.000 und damit die meisten Studenten für ein PhD-Programm ein. Seitdem ist die Zahl gefallen, 2014 auf 150.000.
  • Wissenschaftler in Japan veröffentlichen seit zehn Jahren eine hohe Anzahl von Publikationen. Jedoch ist die Anzahl von Publikationen in anderen Ländern in diesem Zeitraum kontinuierlich gewachsen und hat Japan im Ranking dadurch nach unten verschoben. Dieser Platzverlust ist noch drastischer bei den meist zitierten Publikationen zu erkennen.
  • Japan hält weiterhin einen hohen Anteil an Patentfamilien.
  • In Japan beträgt das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Forschern etwa 6:1. Forscher finden häufiger einen Arbeitsplatz in der Industrie während Forscherinnen vornehmlich an Universitäten arbeiten.
  • Promovierte Wissenschaftler finden eher eine Anstellung an einer Hochschule als in der Industrie.

Das NISTEP veröffentlicht die „Science and Technology Indicators“ seit 1991 und die Studie „Benchmarking Scientific Research“ seit 2008.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 18/2015, Seite 10]

Weitere Informationen:
National Institute of Science and Technology Policy | www.nistep.go.jp
Council for Science, Technology and Innovation | www8.cao.go.jp/cstp/english/

Die neue Innovationsstrategie startet 2014 mit ersten Maßnahmen

Eine Zusammenfassung von Sabine Ganter-Richter

Bis 2018 will die japanische Regierung mit Innovationen aus Wissenschaft und Forschung das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Mit Beginn des neuen Haushaltsjahres am 1. April setzen die beteiligten Behörden erste konkrete Maßnahmen der „Comprehensive Science, Technology and Innovation Strategy“ (kurz: STI-Strategie) um. Die Grundzüge der im Sommer 2013 veröffentlichten Strategie stellte die Ausgabe 11-12/2013 vor. Einen Überblick über die Inhalte und Ausrichtung der ersten Aktionspakete bietet folgender Beitrag.

Die vier Kapitel der STI-Strategie

In der Implementierungsphase 2014 sind drei Programme vorgesehen. Aus dem Haushalt 2014 fließen 335 Milliarden Yen in den „Action Plan for S&T Priority Measures“ und 52 Milliarden Yen in das „Cross-Ministerial Strategic Innovation Promotion Program“ (SIP). Der Nachtragshaushalt 2013 sieht 55 Milliarden Yen für das Programm „Impulsing Paradigm Change through disruptive Technologies“ (ImPACT) vor, es wird 2014 umgesetzt.

Mit dem „Action Plan for S&T Priority Measures“ erstellt der Council for Science and Technology Policy (CSTP) Roadmaps für jedes der fünf Schwerpunktthemen (Energiesystem, alternde Bevölkerung, Infrastruktur, Regionen, 3/11 Folgen). Gemeinsam mit den beteiligten Ministerien werden Maßnahmen erarbeitet, um diese Herausforderungen anzugehen.
Der CSTP integriert die Vorhaben in die Roadmaps, ergänzt Zwischen- und Endziele sowie eine Zeitschiene. Die Zielerreichung wird geprüft.
Zur Bündelung politischer Maßnahmen und um Überschneidungen zu vermeiden, präsentieren Experten zu den genannten Schwerpunktthemen den Ministerien vor der Formulierung der Vorhaben ihre Empfehlungen. Dadurch sollen die Ministerien ermuntert werden, zusammenzuarbeiten und ihre Maßnahmen effizient zu bündeln.
Klare Managementstrukturen sollen die Projekte nicht nur in der Forschungsphase verwalten, sondern auch bei der Implementierung in die Gesellschaft beziehungsweise in die Industrie für Koordination sorgen.
Von 243 vorgeschlagenen Maßnahmen wurden 98 ausgewählt und für den Haushalt 2014 veranschlagt. Die Summe von 335 Milliarden Yen in diesem Aktionsplan machen acht Prozent des insgesamt für 2014 angeforderten Budgets für Wissenschaft und Technologie aus.

Das „Cross-Ministerial Strategic Innovation Promotion Program“ (SIP) zielt darauf ab, den ganzen Prozess von Grundlagenforschung bis zur Kommerzialisierung zu überschauen und die beteiligten Akteure zum gemeinsamen Handeln aufzufordern. Der CSTP hat dafür in drei Schwerpunkten (Energie, Infrastruktur, lokale Ressourcen) insgesamt zehn Themen definiert, die gesellschaftliche Probleme lösen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum befördern sollen.
Damit die einzelnen Projekte koordiniert verlaufen, weist der CSTP jedem Vorhaben einen Programmdirektor zu, der den Abstimmungsprozess mit den beteiligten Behörden und den Forschungseinrichtungen leitet.

Das Programm „Impulsing Paradigm Change through disruptive Technologies“ (ImPACT) ermöglicht in Forschung und Entwicklung sogenannte „high-risk/
high-impact“-Vorhaben, die zu innovativen Lösungen für die Industrie und Gesellschaft führen. Auch ImPACT formuliert fünf Themenfelder in Anlehnung an die Schwerpunkte der STI-Strategie.
Der CSTP sorgt ebenfalls in diesem Programm für klare Managementstrukturen:
ImPACT-Projekte verbinden Planungs- und Koordinierungsfähigkeiten ihrer Programmmanager mit den Besten aus der japanischen Forschungslandschaft.

Zusammengefasst lässt die „Comprehensive STI Strategy“ folgende Neuheiten erkennen:

  • Die Identifizierung der fünf Schwerpunkte orientiert sich an den Herausforderungen und anstehenden Aufgaben für das Land. Die Strategie setzt deshalb den Fokus nicht auf einzelne Fachrichtungen, stattdessen ist sie nach Themen ausgerichtet. Es werden Visionen bis 2030 formuliert.
  • Die anvisierten Innovationen sollen nicht nur der Industrie und Wirtschaft zu Wachstum verhelfen, sondern auch in die Gesellschaft einfließen.
  • Bei der Umsetzung der Strategie kommt dem CSTP die zentrale Rolle zu:
    Der im Cabinet Office der Regierung sehr nahe angebundene CSTP übernimmt die Führung, legt die Spielregeln fest und weist das Budget zu.
  • Alle Akteure aus der Regierung, Ministerien und Behörden, Industrie und Wirtschaft sowie Universitäten und Forschungseinrichtungen sind zur  Zusammenarbeit aufgefordert.

STI-Strategien in Japan

Im Mittelpunkt der Regierung Abe steht die Erholung der japanischen Wirtschaft. Die drei Pfeile für das ökonomische Revival formuliert seine Regierung in der „Japan Revitalization Strategy“. Einer der Pfeile zielt auf neues Wachstum, die „Comprehensive STI Strategy“ ist Teil davon.
Für die Ausrichtung der japanischen Forschungspolitik ist außerdem aktuell der vierte „Science and Technology Basic Plan“ mit einer Laufzeit bis 2015 maßgeblich. Er wurde 2011 nach der Dreifachkatastrophe veröffentlicht und enthält vorrangig Maßnahmen im Zusammenhang mit nationalen Katastrophen und Krisen. 2007 veröffentlichte die japanische Regierung, damals ebenfalls unter Premierminister Abe, die Langzeitstrategie „Innovation 25“. Sie versteht Medizin, Ingenieurwesen und Informationstechnologie als Quellen für Innovationen, die wirtschaftliches Wachstum generieren.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 14/2014, Seite 10 und 11]

Weitere Informationen:

Japans umfassende Strategie für Wissenschaft und Innovation

Ein Überblick von Sabine Ganter-Richter

Im Juni veröffentlichte der Council for Science and Technology Policy eine neue Innovationsstrategie, anhand derer die japanische Regierung bis 2030 die größten Herausforderungen und Aufgaben lösen und Schwerpunkte setzen wird. Einen Überblick über diese Strategie und ihr Zusammenspiel mit anderen wissenschaftspolitischen Programmen und Initiativen bietet folgender Beitrag.

Das große Ziel der „Comprehensive Science, Technology and Innovation Strategy“ (STI Strategy) ist die Erholung der japanischen Wirtschaft. Der Fokus liegt dabei auf den Themen: Energie, alternde Gesellschaft, Forschungsinfrastruktur, Regionalisierung und Wiederbelebung nach der Katastrophe 2011. Das Grundkonzept baut auf langfristige Visionen und sofortige Aktionsprogramme. STI-Initiativen sollen aufgabenorientiert angelegt sein. Auch die Funktionen der verschiedenen Akteure, wie zum Beispiel Industrie, Wissenschaft und Behörden, sollen klar definiert sein. Politische Maßnahmen, etwa Besteuerung, Deregulierungen, Budgets, sollen aufeinander abgestimmt sein.

Nachhaltig auf diese Basis aufbauend möchte Japan auch 2030 zu den führenden Wirtschaftsnationen zählen und den Menschen im Land ein sicheres und zufriedenes Leben ermöglichen. Gleichzeitig trägt die Strategie zum Fortschritt der Menschheit und der internationalen Gemeinschaft bei.

Wie lassen sich die Idee dieses Konzepts und die sich daraus ergebenden Maßnahmen umsetzen?
Dazu formuliert die STI Strategy drei Prinzipien:

  1. „smart“ handeln
    Unter Verwendung der Informationstechnologie eine wissensbasierte Industrie schaffen.
  2. im „System“ denken
    Aus Stärken verschiedene zusätzliche Werte schöpfen.
  3. „global“ denken
    Immer auch außerhalb Japans nach Interaktionsmöglichkeiten Ausschau halten.

Eine Roadmap der neuen Innovationsstrategie nennt die folgenden fünf großen politischen Herausforderungen und ihre Lösungsansätze:

  • ein sauberes und wirtschaftliches Energiesystem
  • eine gesunde alternde Gesellschaft
  • eine moderne Infrastruktur
  • Wiederbelebung der Regionen anhand der dort vorhandenen Ressourcen
  • baldige Erholung von den Folgen des großen Erdbebens in Ostjapan 2011

Über allem steht das Ziel, eine Umgebung zu schaffen, in der sich Japan zur innovationsfreundlichsten Nation entwickeln kann. Wissenschaft und Forschung kommen dabei besondere Aufgaben zu. Als Geburtsstätte für Innovationen sollen Universitäten und Forschungseinrichtungen verstärkt zu internationalen Zentren ausgebaut werden. Um das Innovationssystem zu aktivieren, soll die Zusammenarbeit zwischen akademischen, Industrie- und Regierungseinrichtungen größere Unterstützung erhalten. Ebenso soll das Fördersystem für Forschungsprojekte verbessert werden.

Der Council for Science and Technology Policy (CSTP) soll Japans neue Innovationsstrategie lenken. Ausgestattet mit der entsprechenden Autorität und Finanzen formuliert er federführend das gesamte japanische Budgets für Wissenschaft und Technologie. Die Geschäftsstelle des CSTP wird nicht nur personell ausgebaut, sondern auch in ihrer Funktion als Think-Tank.

Innovation 25

2007 veröffentlichte die japanische Regierung Richtlinien für die Langzeitstrategie „Innovation 25“. Sie versteht Medizin, Ingenieurwesen und
Informationstechnologie als Quellen für Innovationen, die wirtschaftliches Wachstum generieren.
Die Regierung von Premierminister Shinzo Abe hat sich dieser Strategie verpflichtet. Daher beeinflusst Innovation 25 die neue Innovationsstrategie deutlich. Beides sind Langzeitstrategien mit dem Ziel Wirtschaftswachstum und auch inhaltlich gibt es Überschneidungen (unter anderem Gesundheit/Medizin, Informationstechnologie).

Science and Technology Basic Plan

Für die Ausrichtung der japanischen Forschungspolitik ist darüber hinaus der aktuelle vierte Science and Technology Basic Plan maßgeblich. Mit einer Laufzeit von 2011 bis 2015 gibt er nicht nur die allgemeine Strategie vor, sondern enthält vorrangig Maßnahmen, die im Zusammenhang mit nationalen Katastrophen und Krisen stehen. Inhaltlich greift die neue Innovationsstrategie ähnliche Themen wie der Basic Plan auf, beispielsweise Energie, Gesundheit und Erholung nach 2011. Doch es sind auch einige Aufgaben hinzugekommen, etwa die Schaffung einer Forschungsinfrastruktur.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 11-12/2013, Seite 12 und 13]

Weitere Informationen:

Neues Programm unterstützt die Zusammenarbeit von Industrie und Wissenschaft

Mit einer neuen Initiative finanziert das Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) Forschungsprojekte, die einerseits ein hohes Risiko bergen, was das Ergebnis angeht, andererseits ein enormes Potenzial für die Entwicklung langfristig zukunftsfähiger Technologien versprechen. Dahinter steht die Absicht der japanischen Regierung, die Wirtschaft des Landes durch beständige und tiefgreifende Erneuerungen wieder zu beleben und für die Zukunft im internationalen Wettbewerb überlebensfähig zu gestalten.
Mit diesem Ziel ging 2013 das „Center of Innovation Science and Technology based Radical Innovation and Entrepreneurship Program“,kurz „COI STREAM“, an den Start. Das MEXT hat bei dieser Initiative folgende Aufgaben:

  • Visionen entwerfen, die von der Gesellschaft gewünschte Lebenswege ermöglichen
  • Identifizieren der Herausforderungen für Forschung und Entwicklung, um diese Visionen zu realisieren
  • Rahmenbedingungen traditioneller Forschungsfelder und –organisationen aufbrechen
  • die Zusammenarbeit zwischen Industrie und akademischen Instituten sowohl in der Grundlagen- als auch in der angewandten Forschung unterstützen.

COI STREAM verfügt über ein „Governing Committee“ und „Visionary Teams“. Das Komitee ist als oberste Entscheidungsmacht zuständig für die Festlegung von Visionen, nominiert Mitglieder der Visionsteams und wählt Gutachter für die Evaluierung aus. Außerdem bestimmt das Komitee das Management von COI STREAM.
Im Zentrum des COI STREAM steht das Förderinstrument „Center of Innovation“ (COI), das von der Japan Science and Technology Agency (JST) verwaltet wird. Je ein Projektleiter aus der Industrie und aus der Wissenschaft planen und koordinieren einen COI-Standort, an dem mehrere Unternehmen und Institute beteiligt sind. Je ein „Visionary Team“ begleitet ein COI-Standort strategisch und inhaltlich ab der Einrichtung. Dabei wird jedes Team von einem eigenen bei JST angesiedelten Komitee unterstützt, welches Auswertungs- und Evaluationsaufgaben übernimmt.
Jeder COI-Standort kann jährlich mit 400 bis 800 Millionen Yen Fördergeld rechnen, JST übernimmt die Unterstützung für bis zu neun Jahre. Erforderlich ist eine entsprechende Kostenbeteiligung von Seiten der beteiligten Unternehmen. Diese kann in Form von Geld, Arbeitskraft oder zur Verfügung gestellten Ressourcen geleistet werden. So lässt sich die Kooperation je nach den Gegebenheiten am jeweiligen COI-Standort flexibel und individuell gestalten. Nach Ablauf der Förderzeit sollen sich die COI-Standorte selbst tragen und als industrienahe Plattformen weiterhin Innovationen entwickeln.
JST hat das COI-Programm im Juni und August ausgeschrieben, zwölf COI-Standorte sind geplant. Die zur Förderung ausgewählten Vorhaben sollen noch dieses Jahr veröffentlicht werden.
Die japanische Presse berichtete über eine weitere Maßnahme, die Verbindung zwischen Unternehmen und Hochschulen zu fördern. Der im Januar beschlossene Nachtragshaushalt sieht einen großen Anteil für Forschung und Innovation vor. Verbunden damit sind die Erwartungen, größeren Gewinn aus den staatlichen Ausgaben für Forschung zu ziehen und den Status und die Leistung japanischer Spitzenuniversitäten zu verbessern. So haben die vier großen Universitäten Tokyo, Kyoto, Osaka und Tohoku insgesamt 100 Milliarden Yen erhalten, um die Gründung von technologie- und forschungsnahen Startups zu unterstützen. Der Erfolg ähnlicher Programme in der Vergangenheit war jedoch bescheiden. Die Anzahl der jährlich aus Universitäten neugegründeten Unternehmen stieg zwar von 151 im Jahr 2000 bis 2005 auf 252 an, doch fiel sie danach drastisch ab. 2011 existierten insgesamt noch 2143 dieser Startups. Ein Kommentar aus der Regierung lässt auf eine gewisse Enttäuschung schließen angesichts der Tatsache, dass trotz Unterstützungsinitiativen keine wirklich starken und überlebensfähigen Unternehmen aus den Universitäten hervorgegangen sind. (sgr)
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 10/2013, Seite 7]

Weitere Informationen:

Innovative Wissenschaftspolitik zum Wohl und Nutzen der Gesellschaft

Überblick über das Weißbuch „Science and Technology“
von Sabine Ganter-Richter

Das große Erdbeben vor der Ostküste Japans am 11. März 2011 und seine Folgen haben das Vertrauen der japanischen Gesellschaft in die Wissenschaft erschüttert. Das im Juni von der japanischen Regierung veröffentlichte Weißbuch „Science and Technology“ nennt Umfrageergebnisse, die aufhorchen lassen. Denen zufolge ist das Vertrauen der Öffentlichkeit von 76 bis 85 Prozent vor der Katastrophe auf 65 Prozent geschrumpft. Die Umfrage behauptet weiterhin, dass den Wissenschaftlern dieser Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung unbekannt sei. Der folgende Beitrag geht auf Aspekte der zukünftigen Ausrichtung der Wissenschaftspolitik aus dem aktuellen Weißbuch ein.

Das Weißbuch trägt den Titel „Toward a Robust and Resilient Society – Lessons from the Great East Japan Earthquake“. Dieser jährliche Bericht der Regierung über die Implementierung staatlicher Maßnahmen zur Förderung von Wissenschaft und Technologie nennt bereits im Vorspann die Sorgen der Bevölkerung: Hätte die Wissenschaft das Ausmaß der Katastrophe nicht verringern und die Havarie in Fukushima verhindern können? Hinzu kommt die Angst der Menschen vor den gesundheitlichen Auswirkungen. Angesichts dieser Situation sollen die Akteure in der Wissenschaft darauf hinwirken, die Gesellschaft auf Katastrophen vorbereiten, sodass Schäden verhindert oder zumindest Auswirkungen so gering wie möglich bleiben.

Reaktionen auf Erdbeben und Tsunami

Das erste Kapitel hält Rückblick auf die Reaktionen nach dem Erdbeben und nennt deutlich Fehler und Versagen. Zum Beispiel wurden frühere äußerst starke Erdbeben nicht ausreichend in die Vorhersagen für Erdbeben einkalkuliert. Auch war man zu sehr überzeugt von bestehenden Schutzmaßnahmen. Viele Deiche hielten den Wassermassen der auch noch zu niedrig eingeschätzten Tsunami nicht stand. So war das betroffene Gebiet um ein Vielfaches größer als vorherige Szenarien eingeplant hatten. Kritisiert wird ebenfalls die mangelhafte bis fehlende Krisenkommunikation. Um die Folgen von Erdbeben und Tsunami in Zukunft besser handhaben zu können, werden nun verschiedene wissenschaftspolitische Maßnahmen in Erwägung gezogen:

  • Interdisziplinäre Forschungsvorhaben sollen stärker gefördert werden, zum Beispiel in den Fächern Seismologie, Geologie, Archäologie und Geschichte.
  • Die Unsicherheit und Beschränkung bei der Vorhersage von Naturereignissen soll stärker berücksichtigt werden.
  • Gegenmaßnahmen sollen für jegliche Art von Erdbeben und Tsunami berücksichtigt werden, zum Beispiel Evakuierung bei Erdbeben mit extrem geringer Schwingungsfrequenz und äußerst hohen Tsunamiwellen oder Schutzdeiche/-wände bei Erdbeben mit hoher Frequenz aber niedrigen Tsunami.
  • Die angewandten Sozialwissenschaften sowie die Geistes- und Sozialwissenschaften sollen bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen einbezogen werden.
  • Eine effektive Krisenkommunikation soll entwickelt werden.

Analyse der Havarie in Fukushima

Die Folgen aus der Havarie in der Reaktoranlage Fukushima wurden ebenfalls umfassend analysiert. Untersuchungsberichte liegen den relevanten internationalen Organisationen ebenso wie den zuständigen Stellen in Japan vor. Das Weißbuch nennt unter anderem folgende Punkte hinsichtlich Wissenschaft und Technologie:

  • Einrichtung von Evakuierungszonen
  • Konzept und Umsetzung eines Strahlen-Monitoring
  • Strahlenauswirkung auf die Gesundheit
  • Maßnahmen zur Dekontaminierung
  • Lebensmittelsicherheit
  • Informationen für die internationale Gemeinschaft

In einer Umfrage des NISTEP (National Institute of Science and Technology Policy) im Dezember 2011 stimmten 45 Prozent der Befragten der Behauptung zu „der Mensch kann Wissenschaft und Technologie kontrollieren“. Bei einer Umfrage des CRIEPI (Central Research Institute of Electric Power Industrie) im November 2009 waren es noch 78,8 Prozent. Dieser einerseits enorme Vertrauensverlust in der Gesellschaft, andererseits aber auch die hohen Erwartungen an Wissenschaft und Technologie führen in dem Weißbuch zu der Schlussfolgerung, dass zur Wiedererlangung des öffentlichen Vertrauens Wissenschaft und Technologie in Zukunft entsprechend den Bedürfnissen in der Gesellschaft gefördert werden müssen. Wie diese neue „S&T Innovation Policy“ gestaltet sein soll, darauf geht das zweite Kapitel des Weißbuchs ein.

Innovative Technologiepolitik

Darin heißt es, Japan sehe sich nicht nur mit Naturkatastrophen konfrontiert sondern auch mit der Energiekrise, Cyber-Terrorismus und Pandemien. Die Gesellschaft auf diese Risiken vorzubereiten und im Falle von Katastrophen ausgehend von Forschungsergebnissen und technischen Innovationen Lösungen für die auftretenden Probleme zu finden, dieser Aufgaben will sich die japanische Regierung stellen. Dazu sollen vorranging in der betroffenen Tohoku Region bereits bestehende Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung umgesetzt werden und einige neue Forschungsprojekte aufgebaut werden. Das Weißbuch nennt beispielsweise ein Zentrum für Meereswissenschaften (Tohoku University), Forschungsstationen für die medizinische Industrie (Fukushima) und erneuerbare Energien (Fukushima) sowie ein Projekt zur Verbesserung des Meereslebensraumes (Tokuyama College of Technology).

Das Verhältnis Wissenschaft und Gesellschaft

Eine weitere Studie des NISTEP ging im September 2011 auch der Frage nach, inwiefern Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen. 50 Prozent der befragten Experten beantworteten diese Frage negativ. Das Weißbuch nennt als Gründe dafür eine große Distanz zwischen der Fachwelt und der Gesellschaft sowie ein mangelhaftes Verständnis, was Forschung bedeutet und wie die Forschung angemessen an den sozialen Bedarf ausgestaltet sein sollte. Zurückzuführen sei dies auf die Struktur der Wissenschaftslandschaft in Japan, die nicht systematisch organisiert sei und keine praktikablen Lösungsmöglichkeiten hervorbringe. Die Politik will angesichts dieser Situation ihre Vorgehensweise ändern. Es geht ihr dabei um das frühe Erkennen dringender und wichtiger Themen sowie die effiziente und effektive Umsetzung von Forschungsergebnissen. Ein übergreifendes und umfassendes Wissenschaftsmanagement soll dazu beitragen. Insbesondere wird eine stärke Zusammenarbeit und Integration der Fächer in den Geistes- und Sozialwissenschaften und den Naturwissenschaften betont. Weiterhin schlägt das Weißbuch die Einrichtung eines Gremiums vor, das die Regierung zu wissenschaftspolitischen Themen berät. Ziel all dieser geschilderten Maßnahmen ist das reibungslose Zusammenspiel aller Akteure in einem koordinierten System. Dadurch soll ein Lebensumfeld geschaffen werden, in dem die japanische Gesellschaft dank vorausschauend vorbereiteter Maßnahmen auch Krisen und Katastrophen bewältigen kann.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 06/2012 S.10-11]

 

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