Die Universität Tsukuba verbindet Tradition und Innovation

Webcode 10027 (03/2013)

Die Universität Tsukuba ist eine der ältesten Universitäten in Japan. Ihre direkte Vorgängerin war die ihrerzeit renommierte Pädagogische Hochschule Tokio, deren Geschichte sich bis auf das Jahr 1872 zurückverfolgen lässt. Der Physik-Nobelpreisträger TOMONAGA Shinichiro zum Beispiel lehrte dort fast drei Jahrzehnte lang und war von 1956 bis 1961 ihr Rektor. Die Universität Tsukuba wurde 1973 in dieser Tradition als Vorzeige-Universität neu gegründet und ist trotz ihrer langen Geschichte stets offen und innovativ geblieben. Neue Konzepte von Forschung und Lehre werden in Japan immer zuerst an dieser Universität ausprobiert. Nicht allein deshalb ist sie durch Interdisziplinarität und Internationalität gekennzeichnet.

Teil des Tsukuba Campus | Foto: Universität Tsukuba

Im Zentrum von Tsukuba Science City

Die Universität ist der Kern der in den 1970er Jahren neu gebauten Tsukuba Science City, die zirka 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Tokio liegt. Die Bahnfahrt mit dem Tsukuba-Express von der Hauptstadt aus beträgt knapp eine Stunde. In der 27 Quadratkilometer großen Wissenschaftsstadt mit sehr vielen Grünanlagen sind außer der Universität etwa 300 staatliche sowie private Forschungsinstitute angesiedelt, wie zum Beispiel das Nationale Institut für Angewandte Industrielle Wissenschaft und Technologie (AIST), die Japanische Agentur für Raumfahrtforschung (JAXA) und die Forschungsorganisation für Hochenergiebeschleuniger (KEK), mit denen die Universität im Rahmen des „Cooperative Graduate School System“ eng zusammenarbeitet.

Breitgefächertes Angebot in Forschung und Lehre

Die Universität Tsukuba bietet ein breitgefächertes Angebot an Studien- und Forschungsmöglichkeiten: von traditionellen Geistes-, Sozial-, Natur- und Ingenieurwissenschaften über Informatik, Medizin, Sport, Kunst und Design bis hin zu relativ seltenen Disziplinen wie Weltkulturerbe- und Bibliothekswissenschaft. Zurzeit studieren hier über 10.000 BA-Studierende und ca. 6.800 Postgraduierte. Zu den Forschungsbeiträgen aus Tsukuba, die international für Schlagzeilen sorgten, zählen: die Entdeckung und Entwicklung leitfähiger Polymere (Prof. SHIRAKAWA, Nobelpreis 2000), der erste japanische Super-Computer in Parallelschaltung (CP-PACS), die Entwicklung des an den Körper angeschnallten Roboteranzugs für Behinderte (Hybrid Assisted Limb (HAL), Prof. SANKAI) oder die Entwicklung von Mikroalgen als Kraftstoffquelle (Prof. WATANABE), um nur einige Beispiele zu nennen.

Internationale Partnerschaft

Internationale Kooperation in Forschung und Lehre ist der Universität Tsukuba ein besonders wichtiges Anliegen, das auch in ihrer Gründungsidee fest verankert ist. Sie unterhält zurzeit Partnerschaftsverträge mit 225 Hochschulen aus 55 Ländern, davon elf in Deutschland: mit der FU Berlin, den Universitäten Bayreuth, Bonn und Halle-Wittenberg auf gesamtuniversitärer Ebene, sowie mit den Universitäten Bielefeld, Bochum, Leipzig, München, Stuttgart, der Hochschule Augsburg und der BTU Cottbus auf der Ebene von einzelnen Fakultäten (Stand: Januar 2013).

„Global 30“-Programm

2008 wurde die Universität Tsukuba als eine der 13 Universitäten vom Bildungsministerium (MEXT) in das „Global 30“-Programm zur weitergehenden Internationalisierung japanischer Hochschulen aufgenommen. Somit verspricht die Universität Tsukuba, dass die Zahl der Austauschstudierenden, aber auch der Lehrkräfte aus dem Ausland bis 2020 wesentlich erhöht wird. Es gibt verschiedene „G30 Degree Programs Taught in English“, davon drei für BA-Studierende, 17 für MA-Studierende und sechs für Doktoranden, in denen die Studierenden aus dem Ausland ausschließlich in Englisch studieren, forschen und dadurch ihren akademischen Titel erlangen können.

Angebote für Austauschstudierende

Die Austauschstudierenden aus den Partnerhochschulen werden in Tsukuba von der Universität ernannten persönlichen Tutoren aufmerksam betreut. Außerdem haben sie die Möglichkeit, in einem im In- und Ausland besonders hoch angesehenen Sprachkurs kostenlos Japanisch in einem intensiv-Sprachkurs zu lernen. Der Unterricht richtet sich mit verschiedenen Kursen nach der Sprachkompetenz der Studierenden.

Auslandsbüros der Universität Tsukuba

Um ihre internationalen Verbindungen mit akademischen Institutionen vor Ort zu verstärken, hat die Universität Tsukuba Auslandsbüros gegründet. Zurzeit ist sie weltweit in fünf Ländern vertreten: In Asien gibt es Niederlassungen in Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam), ein China-Büro mit Vertretungen in Beijing und Shanghai, und das Zentralasien-Büro in Tashkent (Usbekistan). Das Büro in Tunis (Tunesien) ist zuständig für den Raum Nordafrika-Mittelmeer, und das Europa-Büro hat mit Bonn einen deutschen Standort. Das Bonner Büro ist das jüngste Auslandsbüro der Universität Tsukuba. Seine Aufgaben sind, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit europäischen und vor allem mit deutschen Hochschulen und Forschern zu fördern, Informationen bereitzustellen und einzelne Wissenschaftler und Studierende beim akademischen Austausch zu unterstützen. Es liegt im Hauptgebäude (Nord) des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Das Bonner Büro der Universität Tsukuba versteht sich als erster Ansprechpartner für alle Interessenten aus Deutschland und Europa und freut sich auf Ihre Anfragen!

Partnerschaftsprogramm Tsukuba-DAAD

Zum Schluss ein Hinweis auf das neue Partnerschaftsprogramm Tsukuba-DAAD. Dieses jährlich ausgeschriebene Programm ermöglicht Forschergruppen aus Deutschland und von der Universität Tsukuba, die an einem gemeinsamen wissenschaftlichen Projekt beteiligt sind, gegenseitige Besuche und gemeinsames Forschen. Im Fokus des Programms steht der Austausch von Hochschulangehörigen - insbesondere auch des wissenschaftlichen Nachwuchses - aus den Partneruniversitäten. Voraussetzung für die Antragstellung ist ein bestehendes oder geplantes Partnerschaftsabkommen. Somit ist jede akademische Forschergruppe in Deutschland berechtigt, die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Tsukuba aufzunehmen, gemeinsam ein Forschungsprojekt zu entwickeln und einen Antrag zu stellen.
Die Universität Tsukuba freut sich über Ihre Anfrage. Das Europa-Büro in Bonn steht Ihnen mit Auskünften immer gerne zur Verfügung!
Kontakt:
Europa-Büro der Universität Tsukuba in Bonn:
eu-tsukubaun.tsukuba.ac.jp
Universität Tsukuba:
www.tsukuba.ac.jp

[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 08/2012, Seite 10]