Glücklichsein und Wohlergehen in Japan und Deutschland

Webcode 10030 (06/2013)

Welche Formen und Konzepte gibt es für „Wohlergehen“ und welche Rolle spielen dabei der individuelle und der kulturelle Kontext? Welche sozialen Strukturen und politischen Strategien sind notwendig, um das Glücklichsein des Einzelnen und das Gemeinwohl in einer Gesellschaft zu ermöglichen? Können Menschen nach großen Katastrophen vergleichbar der Dreifachkatastrophe am 3. März 2011 in Japan überhaupt noch Glück erleben?
Mit diesen Fragen beschäftigte sich eine Tagung unter dem Titel „Interdisciplinary Aspects of Well-Being in Changing Societies“. Für die zwölfte Tagung der Deutsch-Japanischen Gesellschaft für Sozialwissenschaften e.V. (GJSSS) vom 21. bis 23. Mai waren etwa 60 Gäste aus Deutschland und Japan in die Werner Reimers Stiftung nach Bad Homburg gekommen.

Die Stiftung feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen und gedenkt dem125. Geburtstag ihres Gründers. Der Vorstand der Stiftung, Wolfgang R. Assmann, berichtete von Werner Reimers‘ Zeit in Japan: Er wurde am 3. August 1888 in Yokohama geboren und kehrte 1891 mit der Familie nach Hamburg zurück. Von 1912 bis 1922 lebte Reimers in Japan und begann in dieser Zeit mit dem Aufbau einer privaten Sammlung ostasiatischer Kunst. Von 1920 bis 1922 vermittelte er Forschungsarbeiten bei Kaiser-Wilhelm-Instituten (heute Max-Planck-Institute) für Bergwerke in Japan, Korea und der Mandschurei.
Zusammen mit dem Forschungskolleg Humanwissenschaften der Goethe Universität Frankfurt bearbeitet die Stiftung gegenwärtig verschiedene sozial- und geisteswissenschaftliche Themen. Als „Paten“ für die Gründung der GJSSS 1989 bezeichnete der Gründungspräsident Hans-Joachim Kornadt (Prof. em. Dr.
Dr. h.c., Universität des Saarlandes) dann auch Werner Reimers, durch dessen Stiftung eine Serie von Japan-bezogenen Kolloquien Mitte der 1980er Jahre erfolgte. Bei den Kolloquien tauschten sich zunächst je vier deutsche und japanische Wissenschaftler zu Fragen der Sozialisation aus. Die damit initiierten
Kooperationen führten zur Gründung der GJSSS, die jetzt kurz vor ihrem 25. Geburtstag steht (2014) und auf 58 reguläre sowie weitere 32 temporäre Mitglieder gewachsen ist, etwa jeweils die Hälfte japanische und deutsche Wissenschaftler. Die Tagungen finden alle zwei Jahre statt, abwechselnd in Japan und Deutschland. Präsidentin der GJSSS ist Gisela Trommsdorff, emeritierte Professorin für Entwicklungspsychologie und Kulturvergleich an der Universität
Konstanz; die Geschäfte führt Makoto Kobayashi, Professor für Pädagogische Psychologie an der Tamagawa University. Vizepräsidenten sind Prof. Dr.
Akira Tokuyasu, Hosei University und Prof. Dr. Mototaka Mori, Waseda University.
Mit einer weiteren Veranstaltung gedachte die Werner Reimers Stiftung dem Stiftungskonzept ihres Gründers. Das Deutsche Institut für Japanstudien (DIJ) tagte unter der Überschrift „Happiness in the Context of Social Commitment, Political Participation and Social Awareness“ vom 23. bis 25. Mai in der Stiftung. Das DIJ ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut. Es wurde 1988 in Tokyo gegründet und hat das moderne Japan zum Gegenstand. Es gehört der Max Weber Stiftung an, die beide Tagungen unterstützt hat.
Die Hauptthemen der beiden wissenschaftlichen Tagungen wurden in drei Abendvorträgen der Öffentlichkeit vorgestellt. Außer den genannten Einrichtungen unterstützte das Japanische Kulturinstitut (The Japan Foundation) die Veranstaltungen.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 09/2013, S.11]

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