Max-Planck-Gesellschaft und University of Tokyo gründen Zentrum für Integrative Entzündungsforschung

Entzündungen sind an einer Fülle unterschiedlicher Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes beteiligt. Die Erforschung der vielfältigen Entzündungsreaktionen erfordert jedoch die Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftsdisziplinen. Das nun gegründete Max Planck – The University of Tokyo Center of Integrative Inflammology soll deshalb die Forschung auf dem neuen Gebiet der integrativen Infektionsforschung stärken und noch besser miteinander vernetzen.
Am 25. Juni unterzeichneten die Präsidenten der beiden Organisationen den Vertrag für das neue Zentrum, mit dem die Max-Planck-Gesellschaft ihre enge Zusammenarbeit mit Instituten in Japan und Asien weiter ausbaut. Das zunächst auf fünf Jahre angelegte Zentrum für Integrative Entzündungsforschung wird auf dem Campus der University of Tokyo angesiedelt sein. So profitieren die beteiligten Wissenschaftler von der Nähe des Universitätsklinikums, mit dem das Zentrum eng kooperieren wird. Die Forscher werden aber auch an den beteiligten Max-Planck-Instituten und der Universität selbst arbeiten. Regelmäßige Aufenthalte an den Partnereinrichtungen ermöglichen den intensiven Austausch von Ideen und Ergebnissen.
Ein weiteres Ziel ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Das Zentrum bietet dazu Trainingsprogramme für Doktoranden und Forschungsaufenthalte in den Laboratorien der Partnerinstitute an. Junge Wissenschaftler sollen so mit dem neuen Forschungsgebiet der Integrativen Entzündungsforschung vertraut gemacht werden. [Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan 10/2013, Seite 5]

Weitere Informationen:

RIKEN-Max PLanck-Joint Research Center nimmt konkrete Formen an

Webcode 10008 (06/2012)

Im April 2011 haben die beiden Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft und des RIKEN den Gründungsvertrag unterschrieben. Knapp ein Jahr später reisten 35 japanische Wissenschaftler zum Kick-off-Symposium nach Dortmund. Am dortigen Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie tauschten sie sich mit renommierten deutschen und in Europa tätigen japanischen Forschern über „chemische Systembiologie“ aus.

Teilnehmer des Kick-off-Symposiums im März 2012. Foto: RIKEN-Max Planck-Joint Research Center

Federführend beteiligt am neuen RIKEN-Max Planck-Joint Research Center sind das MPI für molekulare Physiologie in Dortmund, das MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm sowie das RIKEN Advanced Science Institute in Wako, nördlich von Tokyo.

In Dortmund trafen sich nun erstmals alle Mitglieder des neuen Max Planck Centers, um sich über das jeweilige Wissen und Erfahrungen über neue Methoden und Techniken auszutauschen. Neben einer intensivierten Forschungszusammenarbeit auf internationaler Ebene stehen vor allem Austauschprogramme für Studenten und Wissenschaftler im Mittelpunkt des neuen Centers sowie die Einbindung der Internationalen Max Planck Research School (IMPRS). Mit dem neuen Center bietet sich insbesondere IMPRS-Studenten eine Plattform an, auf der überragende Kompetenzen gebündelt werden, die den Studenten ansonsten nicht zur Verfügung stünden.
Zukünftig sollen sich alle am RIKEN-Max Planck-Joint Research Center für Chemische Systembiologie beteiligten Forscher einmal jährlich zu einem mehrtägigen Symposium wechselseitig in Deutschland oder Japan treffen.
[Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 05/2012 S.5]

RIKEN – Max Planck Joint Research Center

Webcode 10008 (07/2011)

Gemeinsam mit dem japanischen Forschungsinstitut RIKEN hat die Max-Planck-Gesellschaft die Einrichtung eines RIKEN - Max Planck - Joint Research Center for Systems Chemical Biology beschlossen. Beide Forschungseinrichtungen schaffen damit eine Plattform, auf der sie Wissen, Erfahrungen und Infrastruktur sowie neue Methoden und Techniken bündeln.

„Mit der Gründung des RIKEN-Max Planck Centers ist die Kooperation unserer beiden Organisationen auf eine neue Stufe gehoben worden, die der Intensität und dem Umfang unserer 25-jährigen Zusammenarbeit entspricht“, sagt Max-Planck-Präsident Professor Peter Gruss. „Es ist gut zu wissen, dass wir in RIKEN einen vertrauten, verlässlichen und wissenschaftlich hoch kompetenten Partner in Japan haben. Ich sehe eine spannende Zukunft für die Kooperation im Bereich der Chemischen Systembiologie, bei der jede Seite ihre Stärken einbringen kann, zum gemeinsamen Nutzen und Erfolg."

Professor Ryoji Noyori, Präsident von RIKEN, sieht dies ähnlich: “Es ist eine große Ehre für uns, mit der international so renommierten Max-Planck-Gesellschaft ein gemeinsames Research Center aufzubauen. Ich freue mich sehr, dass unsere zwei Organisationen und zwei Länder dieses Jahr, in dem wir das 150-jährige Jubiläum des Austausches zwischen Japan und Deutschland begehen, auf diese Art und Weise ihre Ressourcen bündeln. Japan hat gerade die verheerendste Naturkatastrophe in seiner Geschichte erlebt. Wenn wir unser Land jetzt wieder aufbauen, müssen wir dafür Sorge tragen, dass nichts dem Fortschritt von Wissenschaft und Technik im Wege steht. Ich hoffe, dass unser gemeinsames Projekt dazu beitragen wird, Wissenschaft und Technik zu stärken, internationale Zusammenarbeit zu intensivieren und die Entwicklung einer neuen Generation von Wissenschaftlern zu fördern.”

Das Gründungsteam des neuen Centers bilden vier Spitzenwissenschaftler, zwei Max-Planck-Direktoren, Herbert Waldmann (MPI für Molekulare Physiologie, Dortmund) und Peter Seeberger (MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung, Potsdam), sowie zwei Forscher des RIKEN Advanced Science Institute (RIKEN ASI), Hiroyuki Osada und Naoyuki Taniguchi.
Ziel ist es, den Austausch unter Experten und dem wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Zwei neue International Max Planck Research Schools, an denen talentierte, junge Wissenschaftler ein strukturiertes Doktorandenprogramm durchlaufen, sollen in das Center eingebunden werden. Weiterhin werden ein regelmäßiger Austausch von Wissenschaftlern und Doktoranden, Praktikumsmöglichkeiten und Symposien die Kommunikation unter Wissenschaftlern fördern.

Um im Bereich der Chemischen Systembiologie umfassend forschen zu können, werden zahlreiche, neue Techniken eingesetzt, die normalerweise nicht an einer Forschungsorganisation zur Verfügung stehen. Einige Forschungsinstitute haben spezielle Kompetenzen auf bestimmten Forschungsfeldern und Techniken entwickelt, benötigen jedoch in jedem Fall Kooperationspartner mit ergänzender Expertise.

Das RIKEN Advanced Science Institute, nördlich von Tokio in Wako gelegen, das Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie in Dortmund und das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam beheimaten jeweils leistungsstarke Abteilungen im Bereich der chemischen Biologie. Durch die Bündelung dieser Kräfte in einer gemeinsamen Forschungsgruppe entsteht eine Einheit, die umfassende Forschungstätigkeiten ermöglicht.

Die Gruppe um Hiroyuki Osada am RIKEN ASI ist besonders erfolgreich in der Isolierung und Charakterisierung von Naturstoffen und ihrer Verwendung in der chemischen Biologie. Der Gruppe ist es gelungen, eine leistungsstarke Proteomik-Plattform aufzubauen, die es ermöglicht, chemische Angriffspunkte an Proteinen zu identifizieren. Die Technologie, leistungsstarke kleine Moleküle aus Naturstoffen zu isolieren, steht derzeit an keinem Max-Planck-Institut zur Verfügung.

Die Abteilung von Herbert Waldmann am Max-Planck-Institut in Dortmund verfügt über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrung beim Design und der Synthese von Substanzverbindungen, die aus Naturstoffen abgeleitet werden sowie ihrer Verwendung in biochemischen und zellbasierten Tests und der Identifizierung ihrer biologischen Zielmoleküle. Die Gruppe hat eine von Naturstoffen abgeleitete und inspirierte Sammlung von etwa 10.000 wirkstoffartigen Molekülen aufgebaut. Diese Sammlung soll in Zukunft auf über 100.000 Substanzen ausgebaut werden und in biologischen Screens, die RIKEN ASI und die Max-Planck-Gesellschaft durchführen, untersucht werden. Dies eröffnet den Partnerorganisationen neue Möglichkeiten. So können die Substanzen parallel und äußerst effektiv in Hochdurchsatzexperimenten auf  eine Vielzahl von Zielproteinen oder  Reaktionsnetzwerken von Interesse getestet werden. Der Nutzen wäre dabei nicht nur auf die Grundlagenforschung beschränkt. Die Arbeiten werden  in hohem Maße dazu beitragen, die Ergebnisse der Forschung in die medizinische Anwendung zu übertragen, um somit zu völlig neuen und vielversprechenden therapeutischen Ansätzen zu gelangen.

Die System-Glykobiologie beschäftigt sich mit der Struktur, Synthese und Biologie von Zuckerketten, die vielerlei biologische Prozesse beeinflussen. Dieses Forschungsgebiet verspricht so unter anderem ein verbessertes Verständnis von Krankheiten, neue Diagnostika und Therapeutika, wie zum Beispiel die Entwicklung von Impfstoffen gegen Malaria oder Krankenhauskeime. Ein ausgewiesener Experte auf diesem Gebiet ist Peter Seeberger vom Max-Planck-Institut für Kolloid-und Grenzflächenforschung in Potsdam. Die für die System-Glykobiologie nötigen Verbindungssammlungen und Techniken wie automatisierte Synthese, Kohlenhydrat-Mikroarrays, Sequenzierung und Bioinformatik stehen derzeit nirgendwo in der Welt kombiniert in einer Einrichtung nur in Potsdam zur Verfügung.

Die Gruppe von Naoyuki Taniguchi am RIKEN ASI hat sich im Bereich der Glykomik auf die Therapie von Krankheiten spezialisiert und sich in der Glykometabolomik und der strukturellen Mikrobiologie eine starke Position erarbeitet. Die Gruppe ist besonders erfahren in Bereichen, die an der Abteilung Seeberger bisher noch nicht entwickelt wurden, insbesondere den Tiermodellen und der strukturellen Glykobiologie. Während die Seeberger Gruppe definierte Oligosaccharide und daraus entstehende Werkzeuge wie Glycan-Arrays beisteuert, ist das Taniguchi-Team Experte auf dem Gebiet der Glykomik für die Therapie von Krankheiten. Die Max-Planck-Technologien sind der Schlüssel für die angewandte medizinische Forschung, an der man in Japan arbeitet. Die Zusammenlegung beider Forschungsaktivitäten wird es ermöglichen, eine miteinander verzahnte Fachgruppe zu schaffen, die die Vorteile grundlegender Techniken in der Erforschung krankheitsrelevanter Fragen einsetzen kann.

Das RIKEN – Max Planck – Joint Research Center for Systems Chemical Biology ist das sechste Max Planck Center, den die Max-Planck-Gesellschaft mit einem Partner im Ausland eröffnet.

Kontakt:

Dr. Corinna Ottmann
Koordinatorin, RIKEN-Max Planck-Joint Research Center
Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie
Telefon: +49 231 133-2944
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