In diesem Jahr jährt sich zum 130. Mal die Gründung der Meiji University in Tokyo

Ein Rückblick von Heinrich Menkhaus

1881 als eine Rechtsschule des französischen Rechts gegründet, gehört die Meiji University zu den ältesten Universitäten in Japan. Japan war damals den sogenannten „ungleichen Verträgen“ mit verschiedenen Westmächten ausgesetzt. „Ungleich“ bedeutete, dass die staatliche Souveränität Japans nicht in vollem Umfang anerkannt wurde. Die westlichen Vertragsstaaten hatten aber eine Revision der Verträge für den Fall in Aussicht gestellt, dass Japan sich ein „modernes“ Rechtssystem gäbe.

Besuch von Boissonade an der Meiji University, vermutlich 1890. 1.Reihe: Boissonade (Mitte), Miyagi (3.v.re.), Kishimoto (4.v.re.), Yashiro (5.v.li.). [Foto: Meiji University]

Die Wahl fiel dabei anfänglich auf das französische Recht, weil Frankreich einer der Signatarstaaten war, über ein kontinentales Rechtssystem verfügte, also ein auf geschriebenen Gesetzen beruhendes, und angesichts der Französischen Revolution und ihrer Folgen eine der neuesten Rechtsordnungen besaß.

Um sich mit dem französischen Recht vertraut zu machen wählte Japan drei Wege. Es lud französische Rechtsgelehrte ein, es gründete Schulen des französischen Rechts und es schickte seine Jurastudenten nach Frankreich zur Vertiefung ihrer Rechtskenntnisse. Zwei Studierende des ersten Absolventenjahrgangs der Rechtsschule des japanischen Justizministeriums, die dort Unterricht bei dem französischen Rechtslehrer Gustave Emile Boissonade de Fontarabie (1825-1910) genossen hatten, wurden von ihrem Lehrer zum Studium nach Frankreich geschickt. Nach ihrer Rückkehr gründeten sie gemeinsam mit einem weiteren Schüler Boissonades eine private französische Rechtsschule, die die Vorgängerin der Meiji University ist. Die drei Gründer hießen Kishimoto Tatsuo, Miyagi Kozo und Yashiro Misao.

Als der preußische Sieg im Kriege mit Frankreich von 1870/1871 ins japanische Bewusstsein drang, und die Gründung des Zweiten Deutschen Kaiserreiches zur Erarbeitung einer neuen deutschen Rechtsordnung führte, trat ab etwa 1881 das Studium des deutschen Rechts an die Seite des französischen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die juristische Fakultät der Meiji University heute neben einem Lehrstuhl für französisches Recht einen solchen für deutsches Recht kennt und 14 der Professoren dieses Fachbereichs Rechtswissenschaft einen längeren Studienaufenthalt in Deutschland nachzuweisen haben. Letzteres gilt in gleicher Weise für die im Jahre 2004 parallel zur Rechtsgraduiertenschule gegründete Rechtsschule („Law School“)der Meiji, die nach deutschem Vorbild nur den Staatsexamensstudiengang Rechtswissenschaften anbietet.

Mittlerweile aber hat sich die Universität Meiji um eine Anzahl neuer Fakultäten ergänzt. Insgesamt studieren an neun Fakultäten etwa 29.000 Studenten. Daneben gibt es ebenso viele Abteilungen für das Graduiertenstudium und sechs besondere Graduiertenschulen, die der schon genannten Rechtsschule im Rang entsprechen. Seit zwei Jahren ist die Meiji University, gemessen an der Zahl der Bewerber für die Eintrittsprüfungen, die populärste private Universität Japans.

„German Day“

An fast allen genannten Einrichtungen wird entweder die deutsche Sprache unterrichtet oder es finden Veranstaltungen anderer Art zu Deutschland statt. Aus diesem Grunde wurde im September 2010 universitätsintern eine fachbereichsübergreifende Institution gegründet, die sich mit Deutschlandstudien befasst. Die erste größere Veranstaltung dieser Einrichtung war der „German Day“ Anfang Juni 2011, bei dem der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Japan in seiner Ansprache auch dem diesjährigen Jubiläum 150 Jahre deutsch-japanische Beziehungen gedachte. Daneben stellten sich vier in Japan vertretene deutsche Organisationen vor: der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), das Goethe-Institut, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH). Den Abschluss der Veranstaltungen bildeten drei Erfahrungsberichte japanischer Lehrkräfte über ihren Studien- bzw. Forschungsaufenthalt in Deutschland.

Die Verbindungen der Universität zu Hochschulen in Deutschland sind jedoch noch ausbaufähig. Die intensivsten Partnerschaften bestehen mit der Friedrich Schiller Universität Jena und der Universität Siegen.

Global 30 Aktivitäten

Als eine der 13 teilnehmenden Hochschulen der „Global 30“-Initiative des Ministry of Education, Culture, Sports, Science and Technology (MEXT) hat die Meiji University Programme implementiert, um die Studiengänge auch für Studierende aus dem Ausland attraktiver zu gestalten. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen: Angebote für die Vermittlung der japanischen Sprache und Studienprogramme sowohl für nicht graduierte als auch graduierte Studierende. Alle Programme sind offen auch für Studierende, die nicht von einer der zahlreichen Partnerhochschulen stammen.

Studenten der Meiji University in Tokyo [Foto: Meiji University]

Das „Meiji University Summer Language Program“ bietet gestufte Kurse zur japanischen Sprache und Schrift für Anfänger bis Fortgeschrittene und umfasst eine ganze Anzahl anderer Aktivitäten.

Als Studienprogramme für nicht Graduierte sind insbesondere folgende zu nennen:

Das „Meiji University Law in Japan Program“ macht in einem zweiwöchigen Sommerkurs auf Englisch mit den Grundlagen des japanischen Rechtssystems vertraut. Angesprochen sind neben Jurastudenten auch Studierende angrenzender Disziplinen wie Politik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften.

Die englischsprachige Sommerschule „Cool Japan“ wendet sich an alle, die an den neuen und alten populären Ausprägungen der japanischen Kultur interessiert sind.

Für das Jahr 2011 ist das „Meiji University Summer Program in the Social Sciences“ geplant. Dieses japanischsprachige Programm setzt Sprachkenntnisse voraus und ist für Japanologen oder Studierende anderer Studiengänge mit Japan-Bezug konzipiert.

Für Postgraduiertenstudien wird ein zweijähriger Magisterkurs von der Graduate School of Governance Studies auf Englisch angeboten. Ein einjähriger Magisterkurs auf Englisch, der den Erwerb des Titels LL.M. (Master of Laws) ermöglicht, wird von der Rechtsgraduiertenschule für die Zeit ab April 2012 vorbereitet. Ein Doktorkurs auf Englisch wird seit April 2011 von der Graduate School of Advanced Mathematical Science angeboten.

Der Unterricht erfolgt im Zentrum der Metropole Tokyo und die Meiji University verfügt über ein neues Gästehaus mit Wohnungen auch für Familien. [Quelle: Wissenschaft und Forschung - Japan, 02/2011 S.12]

Weitere Informationen:
www.meiji.ac.jp
www.meiji.ac.jp/cip/international
www.meiji130.jp

Heinrich Menkhaus ist seit April 2008 Inhaber des Lehrstuhls für deutsches Recht an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät und Rechtsgraduiertenschule der Meiji University in Tokyo.
Seine Forschungsinteressen liegen insbesondere auf dem Gebiet des Internationalen Unternehmensrechts und der deutsch-japanischen Beziehungen auf juristischem Gebiet.